Ein Hund aus dem Ausland

Unsere Hunde haben meist eine unbekannte Vergangenheit hinter sich. Manche lebten als Kettenhunde, andere wurden von ihren Besitzern auf die Straße gesetzt, wieder andere wurden bereits auf der Straße geboren. Einige haben dramatische Schicksale erlebt - wurden misshandelt, vernachlässigt, verletzt oder gequält. Manche haben "nur" das entbehrungsreiche Leben eines rumänischen Straßenhundes hinter sich - der oft hungern oder frieren musste. Eins haben aber alle der Hunde gemeinsam: Ihr vergangenes Leben hat sie geprägt.

Auch wenn wir immer wieder persönlich vor Ort in den Sheltern sind und versuchen unsere Schützlinge bestmöglich kennenzulernen, ist eine genaue Einschätzung nicht wirklich möglich. Und vor allem lernen wir die Hunde nicht im "normalen" Alltag kennen.

Bevor du einen Hund aus dem Auslandstierschutz adoptierst: Gehe bitte in dich und überdenke deinen Wunsch lieber einmal mehr. Diese Entscheidung fordert jede Menge Verantwortung, Geduld, Zeit und Energie. Nichts ist für dich, den Hund und letztendlich auch uns schlimmer als die Erkenntnis, dass deine Entscheidung eine falsche war und der Hund letztendlich schnell wieder weg muss und damit vielleicht zu einem Wanderpokal wird.

Vielleicht denkst du jetzt, dass wir gar keine Hunde vermitteln wollen oder dass unsere Hunde ganz besonders schwierige Fälle sind. Das Gegenteil ist der Fall! Aber wir möchten, dass du dir wirklich darüber bewusst bist, was im "schlimmsten" Fall auf dich zukommen kann. Denn verantwortungsvoller Tierschutz bedeutet nicht "Vermitteln um jeden Preis".

Wie schon erwähnt haben die Hunde alle eine sehr unterschiedliche, meist unbekannte, Vergangenheit hinter sich; dementsprechend sind auch die Charaktere und Verhaltensweisen der Hunde. Die meisten Hunde leben sich relativ schnell in ihrem neuen Leben ein und es entstehen kaum Probleme. Einige benötigen jedoch deutlich mehr Zeit und können eine echte Bewährungsprobe sein.

Womit du mit einem Hund aus dem Auslandstierschutz rechnen musst

  • Der Hund wird bei seiner Ankunft sehr streng riechen. Damit wirst du ein paar Tage oder Wochen leben müssen. Für die meisten Hunde ist ein Bad kurz nach der Ankunft überfordernd und viel zu stressig.
  • Der Hund wird vermutlich NICHT stubenrein sein. Kaum einer unserer Hunde hat jemals in einer Wohnung oder einem Haus gelebt.
  • Er kennt wenig bis nichts: Autofahren, Klingeln, Fernseher, glatte Laminatböden, Fahrräder, lärmende Kinder etc. können ihn verunsichern oder stark ängstigen.
  • Der Hund kennt dich nicht und weiß auch nicht, das du ihm nur Gutes willst. Er wird dich eventuell ignorieren, vielleicht auch mal anknurren oder sich erstmal in einer Ecke verkriechen. Es gibt zwar bei vielen Tierschutzhunden die sprichwörtliche Dankbarkeit, aber ganz sicher nicht in den ersten Tagen und Wochen!
  • Treppen können ein scheinbar unüberwindbares Hindernis sein.
  • Dass der Küchentisch kein prima Aussichtspunkt ist, weiß dein neuer Mitbewohner auch noch nicht.
  • Schuhe, Stuhlbeine, Decken, Teppiche, Spielsachen der Kinder... sind vielleicht nette Kauartikel. Der Hund kann nicht unterscheiden, was sein Spielzeug ist und was nicht.
  • Brav an der Leine laufen? Meist Fehlanzeige.
  • Männer können aufgrund der manchmal mit ihnen gemachten schlechten Erfahrungen erstmal sehr gruselig sein. Das kann von änstlich/unterwürfigem Verhalten bis hin zu deutlichem Abwehrverhalten mit Knurren, Bellen und Schnappen reichen.
  • Alleine bleiben kann von Jaulen, Bellen und Türenkratzen begleitet sein.
  • Öfter zeigen die Hunde Futterneid gegenüber ihren Artgenossen, fressen extrem gierig oder manchmal lehnen sie das neue Futter erstmal ab.
  • Durchfall ist in der ersten Zeit gerne ein Begleiter des Hundes.
  • Selten kann es vorkommen, das der Hund trotz Prophylaxe Flöhe oder Milben mitbringt.

Das sind einige der Dinge die auftreten können, denen du dir absolut bewusst sein MUSST!

Meist treffen nur einige wenige der Punkte zu, und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase läuft der Alltag unkompliziert. Aber es können auch viele der Punkte zutreffen; dann braucht es viel Geduld und Engagement deinerseits. Selbstverständlich stehen wir dir immer als Ansprechpartner zur Verfügung und versuchen den Hund bereits im Vorfeld einzuschätzen. Aber es bleibt natürlich immer das Risiko, dass ein Hund im normalen Alltag Verhaltensweisen zeigt, die in der Umgebung vor Ort nicht abzusehen waren.

Was erwarten wir von Adoptanten und Pflegestellen?

  • Geduld, Geduld und nochmals Geduld !
  • Ein gewisses Maß an Mobilität. Du musst deinen Hund/Pflegehund am Ankunftstag am Transport abholen können. Der Abholort liegt meist im Umkreis von ca. 50 Kilometern um deinen Wohnort. Es können in Ausnahmefällen aber auch mal 150 Kilometer sein. Dazu kommt, dass die Abholzeit auch mitten in der Nacht sein kann.
    Darüber hinaus musst du in einem Notfall oder bei einer eintretenden Krankheit in der Lage sein, den Hund zu einem Tierarzt bringen zu können.
  • Ein gewisses Maß an Erfahrung im Umgang mit Hunden sollte vorhanden sein. Insbesondere bei ängstlichen Hunden ist dies unumgänglich. Ebenso erwarten wir die Bereitschaft, im Einzelfall auch mit einem Hundetrainer/Hundeschule zusammenzuarbeiten.
  • Zeit - ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wenn der Hund täglich mehr als 5 Stunden alleine bleiben muss, können wir dich leider nicht als Adoptant/Pflegestelle berücksichtigen. Auch wäre es von großem Vorteil, wenn du bei Ankunft des Hundes ein paar Tage frei hättest, um dem Hund die Möglichkeit zur Eingewöhnung zu geben.
  • Konsequenz - auch wenn dein Pflegling vielleicht eine traurige Vergangenheit hat - er ist und bleibt ein Hund! Ein Hund, der von Anfang an Regeln kennen muss und eine konsequente und souveräne Führung benötigt. Mitleid und Vermenschlichung hilft dem Hund nicht, sich zu einem aufgeschlossenen und entspannten Familienmitglied zu werden.
  • Plan B - ein Notfallplan sollte vorhanden sein. Hast du im Fall einer Krankheit eine Vertrauensperson, die mit deinem Pflegling Gassi gehen kann? Gibt es eine Person, die z.B. im Falle eines Unfalls Zugang zu deiner Wohnung hat und den Hund kurzfristig versorgen und uns übergeben kann?
  • Zu guter Letzt brauchst du eine große Portion Herz und Tierliebe, gepaart mit einem großen Verantwortungsbewußtsein, gesundem Menschenverstand und viel Engagement.

... von Pflegestellen insbesondere:

  • eine gute Zusammenarbeit mit uns! - Wir benötigen regelmäßig Informationen zur Entwicklung des Hundes sowie Fotos. Des Weiteren ist es enorm wichtig, dass wir umgehend über eventuell auftretende Probleme informiert werden.
  • Flexibilität - Du musst flexibel sein, insbesondere was die Verweildauer deines Schützlings bei dir betrifft. Manche Hunde sind innerhalb weniger Tage vermittelt, andere warten monatelang auf ein passendes Zuhause. Sollte also absehbar sein, dass du nur für einen bestimmten Zeitraum Pflegestelle sein kannst, sprich dies unbedingt im Vorfeld an!
  • Dass du dich an Regeln und Absprachen hältst. Zum Beispiel, deinen Pflegehund nicht abzuleinen und ihn am von uns gestellten Sicherheitsgeschirr zu führen.
  • Besuch von Interessenten für deinen Schützling zu empfangen, im Vorfeld telefonisch einen Besuchstermin zu vereinbaren, sie über den Hund zu informieren und, falls der Interessent aus deinem örtlichen Umfeld kommt, ggf. eine Vorkontrolle durchzuführen.
  • Ehrlichkeit - ob nun im Vorfeld bei den ersten Gesprächen oder innerhalb der Zusammenarbeit mit uns. Nur mit Ehrlichkeit und Vertrauen ist eine befriedigende und produktive Zusammenarbeit im Sinne des Hundes ohne größere Probleme möglich.